lalalaladebalken
Mrz 2, 2019

Fünf Minuten nackt.

Ok. Wo fang ich an.

Tatsächlich weiß ich seit Monaten nicht mehr genau wo ich anfangen soll, ob ich schon angefangen hab oder ob es schon vorbei ist. Ganz egal um was es geht. Gedanken, Menschen oder einfach nur Gespräche. Das bereitet mir schlaflose Nächte und Magenschmerzen.

Gerade im Zeitalter von Social Media gibt es so viel worüber man gerne mal sprechen würde. Was man unbedingt mal loswerden müsste. Wozu man anregen will. Und dann lässt man es doch. Weil es schon alle anderen tun. Und um der Masse einen weiteren emotionsschwangeren Text zu ersparen, der sowieso keinen mehr erreicht. Der bereits so gelesen ist, wie alle schnörkelig geschriebenen Postkarten in Pastelfarben für 1,50€ + Porto. Aber warum ist das eigentlich so?

Ist der Geist so stumpf oder die persönlichen Belange so universell und banal? Banal ist hier ein wohl zu hartes Wort. Alles was uns bewegt ist es doch eigentlich wert erzählt zu werden, selbst, wenn nur der Teddy zuhört.

Vielleicht suchen deshalb so viele Menschen auch auf Social Media nach dem ganz großen Drama oder dem ganz großen Familienglück (von anderen). Damit man wieder mal Mitgefühl oder Ergriffenheit spüren kann. Irgendwann reicht ein Schnaps voller Random-Alltagsgedanken halt nicht mehr, um eine Gefühlsregung zu erzeugen. Da braucht es eine ganze Cocktail-Bar. Drama Baby! Das macht Laune, äh, Gefühl.

Ich habe so viele Texte geschrieben, die nie jemand lesen wird. Weil ich der Meinung bin, dass es nach jämmerlichem Geplänkel klingt und ich die Leute lieber lachen sehe als stirnrunzelnd.

Ich hasse betretenes Schweigen. Insbesondere nachdem ich einmal innenrum blank gezogen habe. Wobei. Eigentlich habe ich eher Angst davor.

Vielleicht sollten wir aufhören Themen breitzutreten und totzuschreiben, damit auch kleine und echte Gefühle noch ihren Weg nach draußen in die Welt finden und gehört bzw. gefühlt werden. Ohne dabei von der 846. Folge „deshalb bist DU mir so wichtig“- zertreten zu werden. Versteht mich nicht falsch, ich finde es schön, wenn man einen bedeutungsschwangeren Text über seine Mutterschaft und die Liebe zum eigenen Kind oder what ever schreibt. Daran ist nichts falsch. Aber dann kommt genau das Gleiche nochmal und nochmal und nochmal. Weil es ja immer so doll berührt hat und die Follower erreicht. Aber nach den ersten zwei Sätzen weiß ich im Grunde schon was im Rest des 30-Zeilers steht. Einmal reicht doch. Die Frage ist, ob ich mich da rausnehmen kann. Keine Ahnung. Ich schreibe ja nichts mehr. Hauptsächlich aus Angst mich vor mir selbst zu blamieren oder noch viel schlimmer: mich zu schämen.

Dumm eigentlich, wohin uns Selbstschutz treibt. In einem Internet, in dem die meisten doch sowieso schon einen Seelenstrip der Extraklasse hinlegen. Wozu braucht es da ein Nacktdebüt meinerseits.

Nichtsdestotrotz.

Hallo Welt. Ich habe Gefühle und Gedanken, die ich nicht immer verstehe. Und Sehnsüchte, die jeder andere Mensch auch in sich hat. So what. Eigentlich sollte das okay sein. Eigentlich IST das okay. Oft würde ich sie gerne loswerden und lasse es dann doch meistens bleiben. Dabei machen sie mich aus. Ich teile sie gerne, aber nur wenn ich merke, dass das jemandem einen Mehrwert bietet und ich ihn oder sie nicht damit langweile. Bis dahin schreibe ich sie munter weiter auf und behalte sie für mich.

Ich lege jetzt mal eine Schweigeminute für sie ein und zieh mir wieder meinen virtuellen Morgenmantel an. Gute Nacht.